Wie Kinder selbstständig bloggen können

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In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich einen WordPress Blog so gestaltet habe, dass Kinder unsere Grundschule selbstständig in ihm Texte veröffentlichen können.

Die Einrichtung eines Blogs für meine damalige Klasse hab ich an dieser Stelle schon einmal beschrieben. Da ich von der Idee, Kindern dass selbstständige Bloggen zu ermöglichen, sehr überzeugt bin, möchte ich das Vorhaben auf meine ganze Schule ausdehnen. Daher habe ich den Blog auch umbenannt. Er heißt jetzt www.Schreib-ecke.de.

Zielsetzungen

Von dem Einsatz des Blogs verspreche ich mir Folgendes:

Dadurch, dass die Kinder Rückmeldungen zu ihren Texten bekommen, lernen sie das adressatenbezogene Schreiben von Texten. Sie müssen auf Nachfragen reagieren und lernen so präziser zu formulieren und die Erwartungen der Leser einzubeziehen.

Das Schreiben bekommt Ernstfallcharakter. Texte zu schreiben, die veröffentlicht werden, ist für die Kinder sinnvoll. Dies wirkt sehr motivierend.

Es findet eine inhaltiche Öffnung von Unterricht statt, da die Kinder über ihre eigenen Themen schreiben können. So finden diese Einzug in den Unterricht.
Die Schule öffnet sich außerdem nach außen. Sie gibt Einblicke in den Unterricht, da auch ihre Ergebnisse im Blog veröffentlicht werden.

Der grundlegende Aufbau

Der Blog – eine zweiseitige Angelegenheit 

Ein WordPress Blog besteht aus zwei Bereichen. Es gibt eine Vorderseite (Frontend) und eine Rückseite (Backend).

Das Frontend ist üblicherweise öffentlich im Internet einzusehen. Dort erscheinen die Artikel (Posts). Die aktuellsten sind immer an erster Stelle. Sie können von allen Besuchern kommentiert werden.

Zugang zum Backend gibt es nur mit Passwort. Hier werden die Artikel geschrieben und verwaltet. Je nach eingestellten Berechtigungen können hier die grundlegenden Einstellungen bezüglich Aussehen und Funktionen des Blogs vorgenommen werden.

Autoren und Redakteure

WordPress bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Benutzgruppen anzulegen. Wie bei einer Zeitung gibt es Autoren und Redakteure. Für die technischen Belange ist der  Administrator zuständig. Die Kinder unserer Schule haben die Funktion von Autoren. Sie können Texte schreiben, speichern und zur Veröffentlichung vorschlagen. Dies passiert alles im Backend.

Die Lehrer sind die Redakteure. Sie bekommen Texte, die von den Kindern veröffentlich werden sollen, zur Revision. Sind sie fehlerfrei und inhaltlich akzeptabel, können sie mit einem Klick veröffentlicht werden und sie erscheinen im Blog (Frontend).

Details in der Umsetzung

104 Kinder als Autoren

Damit alle Kinder der Schule mit der Schreib-Ecke arbeiten können, mussten 104 Kinder als Autoren angelegt werden. Dies konnte zum Glück mit einem Plugin schnell erledigt werden. Import User vom CSV ermöglicht den Import mittels einer Liste, die in Excel erstellt werden und mit der Dateiendung csv gespeichert werden kann. Aus Datenschutzgründen hab ich generell nur die Vornamen der Kinder importiert.

Einfaches Backend

Das Backend enthält auch für Autoren noch immer sehr viele Funktionen. Dies wirkt etwas unübersichtlich und überfordert die Kinder. Da die Kinder möglichst selbstständig mit dem Blog umgehen sollen, hab ich es stark vereinfacht. Dies ermöglicht das Plugin Adminimize. Wie auf dem Bild oben zu sehen, haben die Kinder nur noch auf zwei Bereiche Zugriff. Sie könnnen ihre eigenen Texte schreiben, verwalten und zur Veröffentlichung vorschlagen. Darüber hinaus können sie Nachrichten empfangen und antworten (s.u.) Das Backend hat somit eine für die Kinder leicht verständliche Form.

Nachrichten

Da nach den ersten Einführungen schnell bei mir der Wunsch aufkam, den Kindern kurze Rückmeldungen zuschicken zu können, hab ich ein passendes Plugin für diesen Zweck gefunden. Da damit grundsätzlich eine Kommunikation unter allen Nutzern möglich ist, hab ich dies für meine Zwecke etwas angepasst. Jetzt kann ich allen Kindern eine kurze Nachricht schicken, sie können aber nur mir antworten.

Inhalte

Inhaltlich ist der Blog offen. Er soll in den Unterricht integriert werden. Es ist zum Beispiel möglich, als Ergebnissicherung in projektorientierten Arbeitsphasen einen Artikel für den Blog zu schreiben. Oder einen Schreibanlass auch jeweils am PC umzusetzen und dann zu veröffentlichen. Wir werden bestimmt noch viele Möglichkeiten finden.
Darüber hinaus haben die Kinder die Möglichkeit, auch in Phasen der Freiarbeit und von zu Hause aus, eigene Texte zu verfassen. Dafür gibt es keine inhaltlichen Vorgaben.

Einführung in den Klassen

Seit zwei Wochen beginne ich nach und nach mit der Einführung des Blogs in den Klassen. Uns stehen dafür in jedem Raum fünf Rechner, die miteinander vernetzt sind, zur Verfügung. Begonnen habe ich mit dem vierten Schuljahr. Dabei habe ich diese Vorgehensweise gewählt: Ich stelle den Klassen immer grob vor, worum es geht und zeige dann einzlenen Kindern, wie sie sich einloggen und eigene Texte schreiben können. Die Kinder können dann mit ihrem Benutzernamen und Passwort erste Texte schreiben. In den nächsten Wochen fungieren diese Kinder dann als Experten und geben ihr Wissen dann an andere Kinder der Klasse weiter. In dieser Woche hab ich die Eltern über die Schreib-Ecke mittels Elternbrief informiert und zugleich auch einen kurzen Artikel mit wesentlichen Informationen auf unserer Schulseite veröffentlicht.

Du bist der Produzent

3 Kommentare

Der „Grundschulblogger“ Martin Riemer betreut eine Arbeitsgruppe an der Karl-Weis Grundschule in Neuköln, die im Rahmen des Ganztages einen Blog erstellt. Hier gibt´s eine sehr interessante Skype-Video-Konferenz mit ihm, Thomas Bernhardt und einer Studentengruppe aus Ilmenau.
Sein Tipp für den Beginn mit einem Blog im Unterricht: Langsam anfangen und nicht in den Vordergrund der eigenen Arbeit stellen. Dies sei besonders in Schulen mit wenig technikaffinen Kollegien angeraten.
In dem Blog nutzt er Youtube und Soundcloud Material. Beispielsweise kann man sich so anhören, wie die Kinder ihre eigenen Texte vorlesen. Er nutzt dafür ganz einfaches Equipment: die eingebaute Kamera und das eingebaute Mikro in seinem Laptop. Man würde das Engagement der Kinder bremsen, wenn kompliziertere Technik genutzt werden würde . Sein Tipp an die Studentengruppe„Ihr müsst lernen, schnell zu produzieren.“ Den Kindern empfiehlt er, selber kreativ zu sein und so wenig Material aus dem Internet zu nutzen wie möglich. Benötigen sie ein Bild, sollen sie es lieber selbst malen anstatt die Google Bildersuche zu bemühen “Du bist der Produzent!”.

Nachtrag: hier gibt´s jetzt auch von Thomas Bernhardt eine interessante Zusammenfassung von dem Gespräch.

Bloggen leicht gemacht und Fortsetzungsgeschichten

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Auf der Suche nach einer Möglichkeit, den Kindern das bloggen zu erleichtern bin ich auf die kostenlose Software blogdesk gestoßen. Diese Software, lauffähig nur unter Windows, habe ich auf dem Schulrechner in meiner Klasse installiert. Damit können die Kinder sehr leicht Beiträge für unser Blog verfassen. Nach dem Programmstart öffnet sich direkt das Texteingabefeld und die Kinder können loslegen. Per Knopfdruck kann die Geschichte direkt, nach meiner Überarbeitung (1. Schuljahr) veröffentlicht werden.
Im Unterricht nutze ich dies, in dem ich bei vielen Schreibanlässen ein Kind aussuche, dass direkt im Computer schreiben kann. Dabei hat sich gezeigt, dass alle grundlegend tippen können, jedoch nicht wissen, wie man große Buchstaben „macht“. Expertenkinder in der Klasse helfen ihnen dabei. So lernen alle im Schneeballsystem, einen Text zu schreiben.

In letzten Wochen haben wir mit kurzen Fortsetzungsgeschichten begonnen. Ein Kind schreibt einen Anfang via blogdesk, andere schreiben mittels Kommentarfunktion diese weiter. Soll wieder eine Übung der Kommentarfunktion sein.

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