Differenzierung

Es ist pädagogisches Grundwissen, dass die Kinder mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen zu uns in die Schule kommen. Einige haben schon grundlegende schriftsprachliche Erfahrungen gemacht und können lesen und schreiben, andere haben noch Probleme mit einer Schere umzugehen oder sich selber anzuziehen. Eine homogene Klasse gibt es nicht.
Diese Kluft geht in der Regel im Laufe der Schuljahre noch weiter auseinander. Nimmt man jetzt noch die besonderen Lernausgangslagen hinzu, die unter den Stichworten LRS oder Dyskalkulie (leider zu oft und zu unrecht), Hochbegabung versammelt werden, wird deutlich (und es ist allen Lehrern klar), das eine einheitliche, gleichzeitige, undifferenzierte Stoffvermittlung nur scheitern kann.
Dies ist Allgemeinwissen, dass ich auch schon im Studium gelernt habe. In der Praxis bleibt es jedoch eine andauernde Herausforderung an mich als Lehrer.

Zwei Möglichkeiten habe ich für meinen Unterricht gefunden, mit denen ich auf diese Situationen reagiere. Mittels Wochenplan kann ich den Kindern nach Unterrichtsbeobachtungen, Tests und Lerngesprächen unterschiedliche Materialien bereitstellen, von denen ich ausgehe, dass sie ihren aktuellen Lernbedürfnissen entsprechen. Natürlich differenzierte, offenere Aufgaben (Lernumgebungen, Projekte usw.) ermöglichen eine Arbeit auf unterschiedlichen Niveaus. Je nach Fach gibt es dafür unterschiedliche Bezeichnungen. Was ich darunter verstehe, werde ich noch später ausführen.
In meinem Unterricht möchte ich beides unter einen Hut bekommen. Bei der Arbeit mit dem Wochenplan habe ich die Möglichkeit, Kinder ganz gezielt zu fördern. Im Idealfall habe ich sehr gut geeignetes Material, Kinder die damit sehr selbstständig arbeiten können (weil ich es ihnen vermittelt habe) und ich somit die Zeit, mich mit einzelnen Kindern zu beschäftigen.
Die Schattenseite der Methode Wochenplan offensichtlich: Die Kinder werden sehr gut und schnell im „Abarbeiten“. Dominiert diese Methode, lernen die Kinder: „Arbeiten und Lernen in der Schule bedeutet, schnell den Wochenplan fertig zu bekommen.“ Wichtige Kompetenzen (Problemlösen, Kommunizieren, Argumentieren, Modellieren und Darstellen) werden damit nicht geschult. Dies geschieht in den anderen offenen Phasen. Beides ergänzt sich somit wunderbar.

Über meine Erfahrungen mit diesen beiden Ansätzen und deren Verbindung möchte ich in den nächsten Monaten schreiben. Warum ich darüber schreibe? Nicht weil ich denke, dass dies irgendwie vorbildlich ist. Nein. Ich sehe die beschriebenen Ansprüche als fortwährende Herausforderung an mich und möchte mich an dieser Stelle reflektieren und mit anderen, die ähnliche Materialien und Methoden einsetzen, austauschen kann.

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